Raus aus der Komfortzone

Raus aus der Komfortzone

Eins ist sicher: solange ich meine Komfortzone nicht verlasse, wird sich in meinem Leben nichts ändern.

Meine Komfortzone besteht aus meinem Büro, den vertrauten Wegen in der hübschen, kleinen Stadt, in der ich lebe, meiner Nachbarschaft, in der ich meine Hunde-Runden drehe und gelegentlichen Ausflügen in die nähere Umgebung.

Vor der Pandemie bin ich zweimal in der Woche zum Training gegangen, seit der Pandemie gehe ich manchmal spazieren und das meist auf vertrauten Wegen. Ich fühle mich schwer und behäbig und ein paar Kilo weniger würden nicht schaden.

Vielleicht sollte ich mal wieder die Nordic Walking Stöcker hervorkramen? Ein bisschen flotter gehen, mich wieder spüren. Bewegung bringt Energie. Runter vom Sofa – das wäre ein erster Schritt.

Den größten Teil meiner Energie lasse ich im Job. Nach 8 Stunden im Büro bin ich platt. Etwas mehr innere Distanz könnte helfen. Ich neige dazu, mich für alles verantwortlich zu fühlen und mache am liebsten alles selbst. Meine Tür steht immer offen und jeder darf mir jederzeit das Ohr abkauen. Das führt zu Überstunden.

Ich bin die Abteilungsleiterin. Ich darf Arbeit und Verantwortung delegieren und muss mich nicht um jedes kleinste Detail kümmern. Das sollte ich wirklich endlich anderen überlassen.

Ich könnte mich auch fachlich weiterbilden. Mehr Schwung und neue Ideen in die Arbeit bringen. Überhaupt könnte Lernen mein Leben bereichern. Nicht nur im Beruf.

Zuhause habe ich auch schon lange nichts Neues mehr ausprobiert. Koche immer die gleichen Gerichte, habe seit Ewigkeiten, nichts mehr am Haus geändert und der Garten entspricht so gar nicht meinem Traum eines blühenden Paradieses. Dabei liebe ich Blumen über alles! Hier ist eindeutig Potential, mal wieder mit neuen Rezepten und Ideen zu experimentieren.

Früher habe ich gern gemalt, aber seit einigen Jahren will mir nichts mehr gelingen. Schade eigentlich, ich liebe nämlich Farben und kann mich ganz in ihnen verlieren. Kann es sein, dass ein Leben ausschließlich in der Komfortzone Kreativität zerstört?

Statt jeden Abend Fernsehen zu gucken, könnte ich  mal wieder den Pinsel schwingen, ohne dass gleich ein tolles Bild entstehen muss.

Ich wollte mal die Welt erkunden. Statt dessen fahre ich mit meinem Lebensgefährten Jahr für Jahr an den gleichen Ort. Er mag es in der Komfortzone, während ich immer unruhiger werde. Fairerweise muss ich sagen, dass ich nie eigene Wünsche angemeldet habe. Miteinander reden wäre sicher ein erster Schritt zur Veränderung. Wer weiß, ob er nicht doch mit will, wenn ich mich auf den Weg mache.

Ich könnte damit anfangen, meine Stadt und die Orte herum zu erkunden. Warum nicht mal in der Plattenbausiedlung spazieren gehen oder in dem Neubaugebiet, in dem angeblich nur Hamburger leben. Wenn die Pandemie abgeklungen ist, könnte ich Städtereisen machen.

Das ist die Idee: Nach 20 Jahren Urlaub auf dem Campingplatz setze ich es mir zum Ziel, die großen Städte in Deutschland und Europas zu erkunden. Wieder mehr Kunst und Kultur ins Leben holen. Das müsste auch mit einem kleineren Budget möglich sein.

Ich will mich in Bewegung setzen. Selbst etwas tun. Raus aus der Komfortzone. Mit dem Einfachsten anfangen. Erst mal kleine Schritte machen. Wenn nicht heute, wann dann?

Wie es zu diesem Blog gekommen ist

Wie es zu diesem Blog gekommen ist

Ich bin kein unglücklicher Mensch.

Der äußere Rahmen stimmt: ich lebe in einer festen Beziehung, habe zwei gutgeratene Kinder, eine bezaubernde Enkelin und einen Job, der mir auch nach 25 Jahren überwiegend Spaß macht. Ich lebe in einer hübschen und idyllischen Stadt, nicht weit von Hamburg entfernt, wohne in einem gemütlichen alten Haus, werkle in meinem Garten herum und gehe zweimal täglich mit  meinem schon etwas betagten Hund spazieren. Mich plagen lediglich ein paar altersbedingte Zipperlein, aber nichts Ernstes. Soweit alles gut.

Ich bin dankbar für all das Gute in meinem Leben, und spüre gleichzeitig, dass mein Leben intensiver sein könnte. Zu oft sind es Angst und Vernunft, Rücksicht auf das, was andere vermeintlich von mir erwarten oder auch einfach Trägheit und Bequemlichkeit, die mich daran hindern, neue Wege zu gehen.

Ich bin 61. Wenn ich nicht heute damit beginne, mein Leben intensiver zu leben, wann dann?

Also verspreche ich mir heute, jeden Tag nicht nur mit Kopf und Verstand, sondern auch mit Herz und Bauch zu leben. Möglichkeiten, die ich habe zu nutzen und mich einzulassen, auf das, was das Leben mir schenkt.

Dieser Blog ist mein persönlicher Mutmacher. Ein Journal, in dem ich meine Erfahrungen festhalte und Dinge aufzeichne, die mir Mut machen.

Ein Anreiz, gewohnte Pfade zu verlassen, neues auszuprobieren und auch mal wieder zu fotografieren, damit es nicht nur was zum Lesen, sondern auch etwas zum Gucken gibt.